Quelle: ChatGPT

Zalando-Aktie: Ist der Abverkauf langsam ausgereizt?

Erholung nach Kursrutsch
Die Zalando-Aktie meldet sich nach den schwachen vergangenen Wochen wieder etwas zurück. Am Dienstag geht es um rund +2,7% auf 22,14 € nach oben. Vom 52-Wochen-Hoch bei 30,43 € ist der Kurs trotzdem noch weit entfernt. Dabei läuft es im operativen Geschäft deutlich besser, als es der Aktienkurs zuletzt vermuten lässt.

Warum der Kurs trotz guter Zahlen nicht mitzieht

Zalando wächst wieder ordentlich, wobei die Übernahme von ABOUT YOU einen großen Teil des ausgewiesenen Plus ausmacht. Im zweiten Quartal stieg das Bruttowarenvolumen um 20,7% auf 4,9 Milliarden €, der Umsatz erreichte 3,4 Milliarden €. Beim bereinigten EBIT kamen 205 Millionen € zusammen und damit rund 10% mehr als im Vorjahr.

An der Börse hat das trotzdem nicht für eine nachhaltige Erholung gereicht. Ein Punkt ist der Ausblick. Zalando erwartet Umsatz und GMV für 2026 nur noch in der unteren Hälfte der bisherigen Wachstumsspanne von 12 bis 17%. Beim bereinigten EBIT rechnet der Konzern mit 680 bis 720 Millionen €.

Dazu kommt die weiterhin verhaltene Konsumstimmung in Deutschland und anderen europäischen Märkten. Gerade Mode und Sneaker gehören zu den Bereichen, bei denen Verbraucher Ausgaben relativ leicht verschieben können. Auch die UBS verwies Mitte September nach Gesprächen mit Zalando auf die schwache Konsumlaune und eine bislang schleppende Erholung im Sneaker-Markt. Das sei im aktuellen Ausblick allerdings bereits berücksichtigt.

Beim Ergebnis sieht man ebenfalls, dass die Integration von ABOUT YOU noch Arbeit macht. Die bereinigte Konzernmarge lag im zweiten Quartal bei 6,0% nach 6,5% im Vorjahr. Das alleinstehende Zalando-Geschäft kam dagegen auf 6,6%.

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ABOUT YOU und KI sollen mehr aus dem Geschäft herausholen

Bei ABOUT YOU zeigen sich inzwischen erste Synergien. Im zweiten Quartal steuerte die Integration mehr als 10 Millionen € zum bereinigten EBIT bei. Gleichzeitig kommt Zalando inzwischen auf 62,5 Millionen aktive Kunden, wobei die Übernahme einen Teil des starken Anstiegs erklärt.

Mehr Bewegung gibt es auch im Geschäft mit anderen Unternehmen. Der B2B-Umsatz stieg im zweiten Quartal um 27,6% auf 335 Millionen €, das bereinigte EBIT sprang von 11 auf knapp 41 Millionen €. Die Marge lag dort bereits bei 12,2%. Zalando verdient damit zunehmend nicht nur am eigenen Mode-Shop, sondern auch mit Logistik, Software und Dienstleistungen für andere Händler.

Auch KI wird längst nicht mehr nur als Marketingthema genutzt. Mit SCAYLE STUDIOS können Marken Produktbilder digital erstellen lassen. Nach Angaben von Zalando sank die Produktionszeit dadurch um mehr als 95% und die Kosten um rund 90%. Nur zweieinhalb Monate nach dem Start nutzten bereits mehr als 100 Marken das Angebot.

Parallel wird der Zalando Assistant weiter ausgebaut. Die Zahl hochwertiger Interaktionen stieg im ersten Halbjahr um 63%. Zalando versucht damit, Kunden stärker innerhalb der eigenen Plattform zu halten und gleichzeitig die Suche nach Produkten persönlicher zu machen.

Analysten sehen deutlich mehr als der Markt

Bei den Analysten fällt das Bild freundlicher aus als beim Aktienkurs. Die UBS bestätigte Mitte September ihre Kaufempfehlung und ein Kursziel von 35 €. Analyst Yashraj Rajani sieht die schwache Konsumstimmung zwar ebenfalls, geht aber davon aus, dass diese Risiken im Ausblick bereits berücksichtigt sind.

RBC bleibt ebenfalls positiv und bewertet Zalando mit „Outperform“. Das Kursziel liegt bei 28 €. Analyst Richard Chamberlain geht davon aus, dass Zalando von der weiteren Verlagerung des Modehandels ins Internet profitieren kann, auch wenn die Konsumstimmung insgesamt schwach bleibt.

Nach dem Kursrutsch auf zeitweise unter 19 € liegt die Aktie damit deutlich unter vielen Analystenzielen. Das allein reicht natürlich noch nicht für eine nachhaltige Erholung. Zalando muss zeigen, dass das Wachstum nach der ABOUT-YOU-Übernahme nicht nur auf dem Papier größer aussieht, sondern auch bei Marge und Gewinn ankommt.

ℹ️ Zalando in Kürze

  • Der E-Commerce-Konzern mit Sitz in Berlin beliefert rund 62 Millionen aktive Kunden in 25 europäischen Märkten.
  • Zalando bietet seine Logistikinfrastruktur unter der Marke ZEOS auch anderen Händlern für den Versand von Produkten an.
  • Das Unternehmen ist Mitglied im deutschen Leitindex DAX und wird aktuell mit rund 5,29 Milliarden € an der Börse bewertet.

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Fazit

Bei Zalando passt der schwache Aktienkurs derzeit nicht vollständig zu den operativen Zahlen. Umsatz und GMV wachsen, ABOUT YOU liefert erste Synergien und das B2B-Geschäft wird deutlich profitabler. Auch bei KI schafft es der Konzern bereits, Kosten zu senken und neue Angebote aufzubauen. Der Markt schaut allerdings stärker auf die nächsten Quartale. Die vorsichtigere Umsatzprognose, die schwache Konsumstimmung und die noch laufende Integration von ABOUT YOU halten viele Anleger zurück. Der heutige Anstieg auf etwas mehr als 22 € ist deshalb erst einmal eine Erholung nach dem kräftigen Kursrutsch. Wenn Zalando beim Gewinn weiter zulegen kann und die ABOUT-YOU-Synergien stärker durchschlagen, dürfte auch die Bewertung wieder mehr Spielraum bekommen. Die Analysten sehen diesen Spielraum bereits deutlich früher als der Aktienmarkt.