BMW-Aktie: Q4 wird hässlich, danach wird es spannend
Schlechter als früher, besser als befürchtet
Im dritten Quartal sank der Konzernumsatz um knapp 6% auf 30,5 Milliarden € (Vorjahr: 32,40 Milliarden €). Das Konzern-EBIT fiel um schockierende 30% auf 1,6 Milliarden € von ehemals 2,3 Milliarden €, unter dem Strich blieben 1,45 Milliarden € Nettogewinn davon übrig, rund 15% weniger als vor einem Jahr.
In der Autosparte schrumpfte die operative Marge von 5,2% auf 3,4%. Das klingt nach wenig, doch Analysten hatten mit einem noch schwächeren Ergebnis gerechnet. Die wichtige EBIT-Marge fiel im 3. Quartal auf nur noch 2,3% (nach 9,8% im Vorjahreszeitraum). Grund sind vor allem hohe Sonderbelastungen für die Bremsen-Rückrufe und Rückstellungen. Eine Automarge von fast null ist für einen Premiumhersteller eigentlich ein Offenbarungseid. BMW nennt es den Preis für den Neuanfang.
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Warum der Umsatz schrumpft
Hauptgrund ist China. Der Automarkt dort brach um 24,6% ein, BMW lieferte 24,8% weniger aus. Der Konzern hielt also mit dem Markt Schritt, konnte sich ihm aber nicht entziehen. Als Ursachen für den Markteinbruch nennt BMW gekürzte Subventionen für Elektro- und Hybridfahrzeuge und eine anhaltend schwache Kauflaune.
Europa (+2,6%) und die USA (+2,5%) wuchsen, reichten aber nicht aus. Im Rest von Asien-Pazifik, Osteuropa, Nahem Osten und Afrika lag der Absatz knapp 11% niedriger. Insgesamt lieferte BMW 551.075 Fahrzeuge aus (-6,3%), die Produktion sank mit 17,3% noch stärker.
Dazu kommt intensiver Wettbewerb, auch weil chinesische Hersteller verstärkt in andere Märkte drängen. Der Umsatz der Autosparte fiel um 6,5% auf 26,7 Milliarden €. Der Konzernumsatz sank aber weniger stark, weil die Finanzdienstleistungen dank eines größeren Leasingportfolios um 5,8% auf 10,2 Milliarden € zulegten.
Die eigentliche Botschaft
Wichtiger als die Vergangenheit ist die neue Prognose. BMW senkt die Prognose für die EBIT-Marge im Automobilsegment für 2026 von 1 bis 3% auf -0,5 bis 0,5 %. Ohne die zusätzlichen Portfolio- und Strukturmaßnahmen erwartet der Konzern weiterhin eine operative Marge von über 2%.
Ähnlich wie Konkurrent Volkswagen, zieht der der Vorstand schlankere Strukturen, den Auslauf älterer Modelle und den Hochlauf der Neuen Klasse vor. Konzernchef Milan Nedeljković verlangt Entschlossenheit, Finanzvorstand Walter Mertl nennt Geschwindigkeit einen Erfolgsfaktor, um die künftigen Margen zu stärken. Diese Sonderlasten kosten rund 2,5 Prozentpunkte Marge, ohne sie läge sie weiter über 2%.
Den Free Cashflow von mehr als 2,5 Milliarden € im Autogeschäft bestätigt BMW unverändert, was auch als positiv zu werten ist.
Q4: Erst der Tiefpunkt
Wer auf eine Erholung im vierten Quartal hofft, muss zwischen Zahlen und Aktie unterscheiden. Bei den Zahlen ist sie praktisch ausgeschlossen: Die ersten neun Monate kommen auf eine Marge von grob 3,5%. Soll das Gesamtjahr wie angekündigt nahe null enden, muss das Schlussquartal deutlich ins Minus drehen.
BMW sagt selbst, dass die Maßnahmen das vierte Quartal mit nicht-operativen Effekten belasten. Auch die Auslieferungen sollen 2026 moderat sinken. Für die Aktie kann es dennoch ein Wendepunkt sein. Die Belastungen sind bekannt und überwiegend Einmaleffekte. Im November startet der iX3 mit langem Radstand in China, und die neue 3er-Reihe ist bereits angelaufen.
Chart: Seitwärts mit Narben
Die Aktie notiert bei rund 57 €, etwa -38% im Minus seit Jahresbeginn, und ist damit Schlusslicht im DAX. Das Jahrestief liegt bei 52,30 €, im Oktober pendelte der Kurs um 55 €. Diese Zone ist die erste Auffanglinie, das Jahrestief die zweite. Nach oben ist die runde 60 € die Hürde. Erst ein Schlusskurs darüber würde das Bild spürbar aufhellen. Bis dahin ist das keine Trendwende, sondern ein Bodenbildungsversuch.
ℹ️ BMW in Kürze
- Die BMW AG (WKN: 519000) baut Automobile und Motorräder im Premiumbereich. Neben der Stammmarke BMW gehören auch die Marken Mini und Rolls-Royce zum Autokonzern aus München.
- Mit rund 2,5 Millionen abgesetzten Fahrzeugen (2025) zählt BMW zu den 15 größten Autoherstellern der Welt.
- BMW ist Mitglied im deutschen Leitindex DAX und im europäischen Leitindex EuroStoxx 50. Das Unternehmen wird aktuell mit 35,63 Milliarden € bewertet.
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Fazit
Auf den ersten Blick wirkt BMW billig mit einem erwarteten KGV von 8. Für die Aktie spricht, dass die Neue Klasse gefragt ist und der Konzern die Kosten jetzt offensiv angeht. Dagegen sprechen China, ein Schlussquartal mit Milliardenverlust und ein Free-Cashflow-Ziel, das ein starkes Jahresende braucht. Damit überwiegt die Contra-Seite deutlich. Wer BMW im Depot hat, hält und lässt die Sonderlasten durchlaufen. Für einen Neueinstieg sehe ich aktuell keinen passenden Zeitpunkt. Das einzige, was Aktionäre bei Laune hält, ist die Dividende von ca. 7,6%.
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