Energiemetall Lithium

In der modernen Technologie sind Li-Ionen-Batterien der Stand der Dinge. Diese finden Anwendungen in den unterschiedlichsten Lebensbereichen des Alltags von groß bis klein, von leicht bis schwer, vom Akkuschrauber bis zum Smartphone.

Vom Silicon Valley bis zur Wall-Street glauben alle an dieses Wundermetall.

Diese Tatsache nimmt Goldman Sachs regelmäßig zum Anlass, Lithium als das „New Gasoline“ zu bezeichnen. E-Autopionier Tesla ist als Vorreiter der Branche bekannt und hat das E-Auto salonfähig gemacht.

Die Vision: Batterien sollen ganze Städte powern, überschüssige Energie speichern und bei Bedarf wieder in den Stromkreislauf zurückführen und für die Bewohner im batteriebetriebenen Auto oder in der Bahn Bahn die Mobilität ermöglichen.

All diese Entwicklungen werden sich in den kommenden Jahren entfalten – und der Hauptprofiteur heißt Lithium.

China setzt auf Lithium

Tesla sorgt für das Saubermann-Image des E-Autos, während China den Weg für die Massentauglichkeit bereitet. China hat sich auf leisen Sohlen zum wichtigsten Markt für Elektromobilität entwickelt.

Der Hintergrund ist folgender: Kaum ein Thema ist für die chinesische Regierung von solcher Bedeutung wie die Energiepolitik. Sie bestimmt über die dringende notwendige Transition der größten Volkswirtschaft der Welt von der Industrie- zur Hightech-Nation.

E-Autos sichern der Volkswirtschaft wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit über Jahrzehnte und gleichzeitig dem Volk die benötigten Arbeitsplätze – ganz abgesehen von den positiven Auswirkungen auf Natur und Umwelt.

Um die ambitionierten Ziele zu erreichen, hat die chinesische Regierung ihrem Land einen 300 Milliarden US$ schweren Plan verordnet, um einheimische Technologiesektoren weltweit führend zu machen. Diese Arbeit trägt Früchte. Denn als einer der Hauptprofiteure hat die China die Führungsrolle bei der Produktion von Lithium-Ionen-Batterien eingenommen.

Lithium kommt aus Salzseen und aus Gestein

Der Rohstoff für Lithium-Ionen-Batterien wurde bisher vor allem in Argentinien, Chile und Australien gesucht und gefördert.

Die Lithiumgewinnung unterscheidet sich dabei essentiell. Während in Südamerika das Lithium aus Salzseen per chemischem Verfahren extrahiert wird, produzieren Hardrock-Minen sogenanntes Lithium-Spodumen-Konzentrat aus Hartgestein. Die weltgrößten Lithium-Minen stehen in Australien.

Während Salzsee-Operationen (Brine) in der Regel höhere Anfangsinvestitionen benötigen, sind Hardrock-Minen zum Start in der Regel günstiger. Umgekehrt schaut es bei den Produktionskosten aus – allerdings nur in der Theorie.

Egal welches Verfahren verwendet wird: Am Ende muss ultrareines, batteriefähiges Lithiumhydroxid entstehen. Nur dafür werden Höchstpreise bezahlt. Aufgrund der vielen Verunreinigungen stellt sich der Reinigungsprozess bei der Lithium-Gewinnung aus Salzseen aber als ausgesprochen herausfordernd dar. Größere Anlaufschwierigkeiten bei der Produktionsaufnahme sind daher eher die Regel als die Ausnahme.

Auch wenn gerade Brine-Projekte sich in den letzten Jahren besonderer Beliebtheit unter den Anlegern erfreuten, sind gute Hardrock-Projekte keineswegs weniger attraktiv.

Nachfrage steigt schneller als das Angebot

Im Jahr 2017 belief sich die Lithiumproduktion auf ungefähr 180.00 Tonnen.

Fest steht: Der Batterie-Sektor – in seinen unterschiedlichsten Ausprägungen – ist der Wachstumstreiber für die zukünftige Nachfrage.

Schon jetzt geht ein Großteil des verbrauchten Lithiums auf die Nachfrage des Batterie-Sektors zurück – Tendenz steigend. Um wieviel er wachsen wird, darüber sind sich Analysten uneins. Fest steht, die Nachfrage wird sich in nur wenigen Jahren vervielfachen.

Kritiker entgegnen an dieser Stelle gerne, dass trotz allem ein Überangebot droht, wenn sämtliche Produktionsvorhaben realisiert werden. Dies stimmt sogar. Aber die bisherigen Produktionsaufnahmen zeigen eindeutig, dass die Inbetriebnahme von Lithium-Projekten nicht so einfach möglich ist.

Ich bin deshalb davon überzeugt, dass viele Projekte verspätet oder gar nicht in Produktion gehen werden, weil ihnen vorher das Geld ausgeht. Insofern halte ich auch ein baldiges Überangebot für unwahrscheinlich.

So verdienen Sie am Lithium-Boom

Ein physisches Investment in Lithium wäre noch schwieriger umzusetzen als beim Kupfer. Wenngleich es einige Anlageprodukte gibt, die versuchen, den Lithiumpreis abzubilden, rate ich dennoch davon ab. Zu hoch sind die damit verbundenen Kosten. Wer vom Lithium-Boom profitieren möchte, setzt am besten auf Aktien.

Doch Vorsicht: Das hohe Zukunftspotenzial von Lithium hat sich bereits bis in den letzten Winkel der Anleger-Schar herumgesprochen. Dementsprechend hoch bewertet sind beziehungsweise waren einige Lithium-Aktien daher schon.

Nachdem der Lithium-Preis 2018 aber etwas abgekühlt hat, bieten sich wieder vermehrt Chancen in diesem Sektor. Vertrauen Sie aber nicht blind auf die optimistischen Zukunftsversprechen der Lithium-Unternehmen. Nur ein Bruchteil der heutigen Aktien auf dem Kurszettel wird jemals in Produktion gehen und Gewinne erwirtschaften.

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