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Administrator / 19.01.15 / 15:21

SendR: Deutsche Tech-Aktie feiert Börsendebüt in Paris

sendr_logoEs ist eine Wachsstumsstory wie aus dem Bilderbuch: Die Hamburger SendR SE (ISIN: DE000A1YDAZ7) verzeichnet als ein führender Digitalvertrieb von Musikrechten unabhängiger Künstler und Plattenfirmen schnell steigende Umsätze und ist schon seit Jahren profitabel. Mittlerweile zählt das Portfolio mehr als 120.000 Künstler und über 1,1 Millionen Songs. Die rasante Digitalisierung im Zuge der immer stärkeren Verbreitung von Smartphones und Tablets lassen die weiteren Aussichten für ein Unternehmen wie SendR rosig erscheinen. Mit dem Börsengang an den Pariser Marché Libre der NYSE Euronext setzt die Firma nun ein internationales Ausrufezeichen und bietet auch Privatanlegern die Chance, an der beeindruckenden Expansion zu partizieren. Wir sprachen mit Gründer und Vorstand Henning Thieß unter anderem über den anstehenden Börsengang, die damit verknüpften Erwartungen und gute Gründe für ein Investment in SendR.

Sehr geehrter Herr Thieß, am morgigen Dienstag, den 20. Januar 2015, geht die SendR SE an die Pariser Börse. Beschreiben Sie uns doch kurz das Geschäftsmodell der Gesellschaft.

hthiessHenning Thieß: Die SendR SE ist eine Holding, die unter anderem über die seit 2003 tätige finetunes GmbH geformt wurde. Im Kern stehen dabei die digitale Auswertung von Leistungsschutzrechten von Musik; wobei auch Hörbücher, -spiele, Musikvideos und Longplay-Filme in die Auswertung genommen werden. Letztendlich kann man sich finetunes als Brücke zwischen der Welt der Rechteinhaber (Labels, Künstler, Produktionsfirmen) und der Welt der Endkundenportale (iTunes, Amazon, spotify etc.) vorstellen. finetunes und damit die SendR SE erhält auf die Einnahmen eine Marge.

Durch die 100%ige Tochter finetunes war SendR bereits lange vor iTunes & Co. der erste unabhängige und legale Onlinestore für den Download von Musik in Deutschland. Was waren die wichtigsten Meilensteine seit Gründung in 2003 bis heute?

Henning Thieß: Tatsächlich waren wir mit unserem Download-Store in Deutschland vor iTunes und Co. präsent. Damals war an das Thema "Streaming" oder "digitale Distribution" nur bedingt zu denken - Breitbandanschlüsse waren eher kaum vorhanden. Der erste große Step war sicherlich mit den für den Download-Shop schon vorhandenen Daten/Strukturen eine für Lizenzgeber interessante Lösung für die digitale Distribution anbieten zu können. Wir waren damit einer der ersten (wenn nicht sogar der erste) digitale Vertrieb mit In-house-Technik. Sehr wichtig für uns war auch die frühzeitige Kooperation mit iTunes, wobei wir zu den ersten Distributoren in Europa gehörten, die eine direkte Anlieferschnittstelle nutzen durften und konnten.

Mit einem Katalog von über 120.000 Künstlern und mehr als 1,1 Mio. Liedern bei über einer Milliarde Downloads und Streams ist SendR eines der führenden unabhängigen Clearing-Häuser für die digitale Auswertung von Musikrechten. Gibt es einen besonderen Musikstil, der bei ihnen im Fokus steht, oder vermarktet finetunes sämtliche Musikrichtungen?

Henning Thieß: Naja, in dem Maße, wie sich bei uns die Mitarbeiter und unser Unternehmen professionalisiert haben, haben wir auch unseren "Geschmack" professionalisiert und können nun sogar sehr gut Inhalte vermarkten, die wir mit unseren "historischen" Wurzeln im Electro/House Segment nicht so direkt auf unseren eigenen Playlists finden würden. Unser Anspruch ist es, jedem Musikstil die Consumer Awareness zukommen zu lassen, den der Markt bietet.

Streaming versus Download oder Spotify gegen iTunes, das ist derzeit die Frage. Welche Technik setzt sich Ihrer Meinung nach durch und mit welchen Partnern arbeitet SendR/ finetunes zusammen?

Henning Thieß: Für uns als Vertrieb ist es letztendlich egal, ob der Absatzweg zum Endkunden nun per Download to own oder per Streaming passiert. Viel spannender ist dabei die Frage, wie sehr sich die "neuen" Player im Bereich des Streamings (aber auch im Downloadbereich) im Preis für den Konsumenten unterbieten und die Musik als kulturellen Wert so stark zu devaluieren versuchen, dass sie nur noch als nettes "Add-On" für deren Core-Services gesehen werden kann. Das Schöne an einer komfortablen Marktposition, wie wir sie haben, ist, dass wir nicht jedem Druck der Portale nachgeben müssen, sondern einen den Wert für die von uns repräsentierten Lizenzen nachhaltig auf einem akzeptablen Niveau halten können.

Wie hat sich denn der Umsatz und Ertrag in den vergangenen Jahren entwickelt. Ist SendR profitabel? Und was ist der Forecast für die kommenden Jahre? Kann die Börsennotiz das bisherige Umsatzwachstum noch verstärken?

Henning Thieß: Seit 2008 hat sich unser Umsatz ungefähr verdreifacht. Wir sind seit 2009 profitabel. Für die kommenden drei bis vier Jahre sehen wir uns in einer hervorragenden Position, um unseren Umsatz und unser Ergebnis verdoppeln oder gar verdreifachen zu können. Natürlich hilft die Börsennotiz dabei, weitere Finanzierungsmöglichkeiten überhaupt bzw. günstiger nutzen zu können, um in ein verstärktes Wachstum investieren zu können.

Spektakuläre Übernahmen machen in ihrer Branche von sich reden. So hat Apple beispielsweise im vergangenen Jahr die Übernahme von "Beats" für 3 Milliarden Euro abgeschlossen. Branchenkenner sind sich einig, dass diese Übernahme weniger wegen den Kopfhörern als vielmehr wegen dem Streamingservice erfolgte. Wie sieht es bei SendR aus? Übernehmen oder eher übernommen werden?

Henning Thieß: Wir sind zwar nicht mit Beats vergleichbar, da wir relativ wenig im Endkundengeschäft unterwegs sind; richtig ist aber, dass in der Branche genügend Möglichkeiten für Konsolidierungen offen stehen. Wir denken, dass wir in einer sehr guten Position sind, unsere überaus starke Position auszubauen und das eher dadurch, dass wir durch Übernahmen unser Geschäft deutlich ausweiten können; grundsätzlich kann man natürlich auch nicht ausschließen, dass wir, gerade über die Börsennotiz, für anders gerichtete Konsolidierungsüberlegungen interessant sein können - beide Szenarien sind vorstellbar und werden durch die hervorragenden Grundlagen, die wir in den letzten 11 Jahren schaffen konnten, befördert.

Wie eingangs bereits erwähnt hat SendR am morgigen Dienstag seine Erstnotiz in Frankreich. Welche Gründe waren ausschlaggebend für den Börsengang und warum in Frankreich und nicht in Deutschland?

Henning Thieß: Wir sind ein international agierendes Unternehmen; von daher wäre es fast schon eher erklärungswürdig gewesen, hätten wir uns für eine Regionalbörse - zum Beispiel Hamburg - entschieden. Die für uns direkt in Frankfurt wiederum zur Verfügung stehenden Segmente waren für uns im Vergleich wenig attraktiv. Eine internationalere Ausrichtung als über das Listing an der Euronext mit der Möglichkeit zum Uplisting in das Alternext-Segment gibt es eigentlich nicht. Durch das Uplisting haben wir sogar die Möglichkeit, in Frankfurt über das Second Quotation Board in den XETRA-Handel aufgenommen zu werden.

Wer hat Sie denn bei dem Börsengang betreut und wie verlief die Vorbereitung?

Henning Thieß: Bei dem Börsengang wurden wir von Herrn Alexander Coenen, durch die von ihm mitgegründete Capital For Markets GmbH in München, betreut. Ich kann kaum erklären, wieviel Geduld wir abverlangt haben, uns dabei zu helfen, unsere in 11 Jahren schon fast als "Betriebsblindheit" zu beschreibende Sichtweise gegenüber den doch nicht gerade geringen Anforderungen für die Börsennotiz zu überwinden. Im Nachhinein möchte ich diese Erfahrung, so persönlich herausfordernd ich sie auch empfunden habe, nicht missen wollen; es ist erstaunlich, wieviel und was man alles nach 11 Jahren als "normal" ansieht. Neben Capital for Markets unterstützt uns übrigens auch BNP Paribas Securities Services als auch der französische Broker Midcap Partners.

Der erste Kurs wurde auf 10,00 Euro festgelegt, womit die SendR SE bei 1.200.000 ausstehenden Aktien mit 12 Millionen Euro bewertet wird. Das unabhängige Münchner Research-Label SPHENE Capital kam zu dem Schluss, dass die Aktie von SendR 17,40 Euro wert ist. Warum hat man sich auf so eine günstige Bewertung zum Börsenstart geeinigt?

Henning Thieß: Wir sind hier recht gerne dem Vorschlag der Börse gefolgt. Wir hätten sicherlich eine höhere, also angemessenere Bewertung, argumentieren können, aber es gibt so zum einen erheblichen Raum für die Kursentwicklung, die sich aus unserer Sicht recht schnell eher im Bereich des vom Research als angemessen gesehenen Wertes bewegen wird. Zum anderen ist die Zulassungsgebühr an den ersten Kurs gebunden - weswegen wir da zweifach keinen Grund sahen, der Börse einen anderen ersten Kurs nahezulegen.

Wer sind eigentlich die derzeitigen Aktionäre der Gesellschaft und wie eng ist die Verbundenheit zum Unternehmen vor und nach dem Börsengang?

Henning Thieß: Als Gründer der finetunes GmbH und der SendR SE sind mein Kollege Oke Göttlich und ich zusammen immer noch Mehrheitsaktionäre, als geschäftsführende Direktoren nach wie vor absolut in der Verantwortung, unsere Erfolgsgeschichte fortzuschreiben. Es ist sogar so, dass wir den Börsengang als perfekten Weg zwischen dem Einlösen der bereits erworbenen Chance (z.B. über einen Verkauf) und unserer festen Überzeugung, dieses Geschäft und Unternehmen noch deutlich weiterentwickeln zu können, sehen.

Nennen Sie uns doch abschließend noch drei gute Gründe für ein Investment in die Aktien von SendR!

Henning Thieß: Wenn Sie meinen, ich muss mich auf drei gute Gründe beschränken, muss ich glatt nachdenken. Zum Ersten würde ich natürlich denken, dass es eine Investition in eine Unternehmung ist, die erhebliches Upside-Potential hat; zum Zweiten würde ich denken, dass JETZT der richtige Zeitpunkt für ein Investment ist, da sich in 2015 aus meiner Sicht einiges in der Branche bewegen wird und sich diese Bewegungen deutlich zugunsten von SendR nutzen lassen und demnach ein späterer Einstieg nicht günstiger wird; zum Dritten ist bei der aktuellen Anzahl der Aktionäre eine Investor Relations möglich, wie sie später nicht so einfach zu realisieren wäre.

Herr Thieß, vielen Dank für das Gespräch!

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