Roundup: Aixtron, Hypoport, Medigene, Uniper, Innogy

von Redaktion  /   12. Dezember 2016, 12:19  /   unter Aktien, Roundups  /   Keine Kommentare

Für eine gewisse Aufregung sorgen zurzeit die zahlreichen Auf- und Absteiger in den DAX-Liegen. Die Schocknachricht: Aixtron (WKN: A0WMP) fliegt aus dem TecDAX raus und Medigene (WKN: A1X3W0) kommt dafür rein. Im MDAX begrüßen wir Innogy (WKN: A2AADD) und Uniper (WKN: UNSE01) als Aufsteiger. Hypoport (WKN: 549336) behält seinen sicheren Platz im SDAX, den man sich im letzten Jahr verdiente.

Alljährlich sorgen die Auf- und Absteiger in den DAX-Indizes für Gesprächsstoff bei den Anlegern und für einen gewissen Anpassungsbedarf in den Depots der Investoren. Zwar werden die Indizes erst ab dem 19. Dezember aktualisiert sein, doch sind die Berechnungsmethoden transparent und deshalb wussten weitsichtige Investoren längst, was auf uns zukommt. Seit dem 7. Dezember ist die Auswahl zudem sicher und wurde von der Deutschen Börse so bestätigt. Wir haben uns einige spannende Themenkomplexe bei den deutschen Nebenwerten angesehen und sehen für die nächsten Monate spannende Entwicklungen.

Hypoport vor der Entscheidung: Aktie bei 60 oder 100 Euro?

Wer online auf die Suche nach den günstigsten Hypotheken und Baufinanzierungen geht, bleibt früher oder später bei einem Vermittler wie der Hypoport AG (WKN: 549336) hängen, welche diese Kreditanfragen auf ihre Marktplätze leitet. In den letzten beiden Jahren vollzog die Hypoport AG im Rahmen des deutschlandweiten Immobilienbooms die erfolgreiche Wandlung von einem langweiligen Kreditvermittler mit der Hausmarke Dr. Klein zu einem modernen Fintech-Unternehmen mit der deutschlandweit größten Online-Plattform für Immobilienkredite Europace, die von 50% aller in Deutschland tätigen Immobilienkreditvermittler genutzt wird.

Der Aktienkurs stieg in den letzten zwei Jahren um das Sechsfache. Gleichzeitig stiegen die Gewinne um Faktor drei. Wurden 2014 0,96 € pro Aktie verdient, werden es in diesem Jahr voraussichtlich mehr als 3 € werden.

Aktuell befindet sich das Papier technisch und fundamental vor einer akuten Richtungsentscheidung. So verlor die Aktie seit Sommer überraschend rund ein Drittel ihres Kurswertes. Dies lag daran, dass im 3. Quartal lediglich eine operative Gewinnmarge (EBIT) von 14,7% veröffentlicht wurde, während sie im Vorjahr noch bei 15,8% lag. Für das schlechtere Ergebnis war offenbar ausschlaggebend, dass die Beratungsdienstleistungen für institutionelle Kunden schwächer ausfielen als erwartet.

Als unmittelbare Maßnahme zur Kurspflege beschloss der Vorstand im November den Rückkauf eigener Aktien im Umfang von bis zu 5 Mio. €. Dieses Rückkaufprogramm ist aktiv, bis zu einem Höchstpreis von 80 € je Aktie. Am 9. Dezember gab man bekannt, dass zwischen dem 2. und 8. Dezember in einem ersten Schritt, 9.281 Aktien gekauft wurden. In den nächsten Wochen und Monaten bieten diese Rückkäufe ein gesundes Maß an Unterstützung.

Es scheint zudem, dass Hypoport seine starke Wachstumsphase abgeschlossen hat. Zwar versucht man mit seinen Lösungen auch den Fuß bei den zahlreichen Sparkassen und Volksbanken hineinzubekommen, doch ist fraglich, ob diese das Angebot annehmen werden oder ob es sich um reine IT-Implementationen handeln wird, ohne zukünftige Erträge in Form von Provisionen.

Hält das Umsatzwachstum an, das zuletzt bei 12% p.a. lag, wäre der faire Kurs gleichwohl eher im Bereich von 100 € anzusiedeln als bei den aktuellen 70 €. Im nächsten Jahr werden voraussichtlich annähernd 4 € pro Aktie verdient. Die Investmentbank Oddo Seydler erwartet für 2017 einen Gewinn pro Aktie von 3,79 und für 2018 von 4,26 €. Das KGV 17e liegt damit bei 18. Darum scheint die Aktie bewertungstechnisch relativ günstig zu sein. Ein guter Quartalsausweis könnte genügen, um die Aktie in Richtung der 100 Euromarke zu manövrieren. Eine Fortsetzung der zuletzt schwächeren Gewinnmargen würde sich jedoch eher schlecht auf den Kurs auswirken.

Aixtron arbeitet mit Hochdruck an einem Zukunftskonzept

Zunächst fliegt Aixtron (WKN: A0WMP) aus dem TecDAX heraus und wird dort durch den Biotechwert Medigene (WKN: A1X3W0) ersetzt.

Für Aixtron wird es darum eng. Seit dem Frühjahr verließ man sich dort ausschließlich auf die Übernahme durch die chinesische Fujian Grand Chip Investment und hatte keinen Plan B. Nachdem die US-Regierung diese Übernahme verhinderte, zogen letzte Woche die Chinesen ihr Angebot zurück. Ungeachtet aller berechtigten Kritik an diesem politischen Theater benötigt Aixtron einen Alternativplan und dies schnellstens, um aus den roten Zahlen zu kommen. Ein Unternehmenssprecher äußerte sich hierzu in einem Zeitungsinterview mit der „junge Welt“, dass man sich «neu aufstellen» und «zeitnah ein Zukunftskonzept erarbeiten» wolle.

Das hört sich eher nach einer Verzweiflungstat an und lässt konkrete Ziele und Pläne für den Turnaround vermissen. Die Erholung der Aktie entwickelt sich daher mit angezogener Handbremse unterhalb der 4 Euro-Marke, das Schlimmste dürfte der Kurs dennoch erst einmal überstanden haben. 

2017 wird das große Energieversorger-Aktienrennen

2017 verspricht ein spannendes Rennen zu werden. Die E.ON-Abspaltung Uniper (WKN: UNSE01), welche die traditionelle Grundlastversorgung mit Atom- und Kohlekraftwerken sicherstellt, tritt gegen die RWE-Ausgliederung Innogy (WKN: A2AADD) an, in der die alternativen Energien gebündelt sind.

Bezogen auf die Größenverhältnisse verspricht dies ein ungleiches Rennen. Uniper ist die kleinste Stromversorgungsgesellschaft, die mit nur 5 Mrd. € Marktkapitalisierung sogar noch hinter den ehemaligen Stammhäusern RWE (WKN: 703712) und E.ON (WKN: ENAG99) läuft. Innogy weist dagegen eine Marktbewertung von 17 Mrd. € auf und ist noch vor der eigenen Mutter RWE sowie dem Konkurrenten E.ON, jetzt der größte Stromkonzern sowie der größte Börsengang in Deutschland seit der Deutschen Postbank AG im Jahr 2002. Dies führt dazu, dass Innogy mit Leichtigkeit in den MDAX aufsteigen wird.

Bezogen auf die Erzeugerkapazitäten steht die kleine Uniper mit 40 GW weit vor Innogy, die lediglich 3 GW an eigenen Kapazitäten besitzt, diese aber im Segment der Erneuerbaren Energien. Der große Bewertungsunterschied rührt zudem daher, dass in der Innogy die künftig immer dezentraler organisierte Stromverteilung – die Netze – beheimatet sind, während bei Uniper die altbackene, zentrale Stromerzeugung gebündelt wurde. Da scheint die Auswahl des Favoriten eine klare Entscheidung zu sein, möchte man meinen. Doch besitzt Innogy bereits einen enormen Bewertungsvorsprung.

Uniper besitzt ein vergleichsweise günstiges KGV 17e von 8 sowie eine Dividendenrendite von 5,5%. Die Aktie notiert außerdem unterhalb des halben Buchwertes.

Für Innogy liegen noch keine verlässlichen Schätzungen für 2017 vor. Doch entspricht das aktuelle KGV einem Wert von 16 für das Gesamtjahr 2016, bezogen auf die Ertragserwartung des Managements von 1,1 Mrd. €.

Kurios ist zudem, dass RWE, welche weiterhin 75% an Innogy hält, selbst nur eine Marktkapitalisierung von 7 Mrd. € aufweist, während allein der Anteil an der Tochter Innogy einen rechnerischen Wert von 12 Mrd. € besitzt und man auch die Mehrheit an der Dividendenausschüttung erhält, die auf 70-80% der kommenden Nettoerträge bei Innogy geschätzt wird. Dies macht eine Investitionsentscheidung für Innogy mehr als schwer.

Darum sind zumindest bewertungstechnisch und bezogen auf die Dividende eine Uniper sowie RWE für uns die bessere und vor allem auch die sicherere Wahl. Beide Papiere besitzen durchaus Potenzial, beim Kurs in den nächsten Monaten positiv zu überzeugen, während Innogy wohl eher Korrekturrisiken beinhaltet.

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