Barrick Gold noch riskant? Hohe Verluste für Milliardär Soros

von Redaktion  /   21. Dezember 2016, 17:31  /   unter Aktien, Rohstoffe, Top-Stories  /   1 Kommentar

George Soros griff vor kurzem beherzt bei Barrick Gold (WKN: 870450) zu. Der Multimilliardär kaufte knapp 1,8 Mio. Aktien für 36 Mio. US$, verdoppelte seinen Bestand und verlor mit diesem Trade gleich 10 Mio. US$ auf einmal. Also Finger weg von Barrick? Wir sehen bei Goldaktien durchaus Chancen im neuen Jahr.

Der eindrucksvolle Turnaround von Barrick gefällt George Soros. Er meldete am 14. November, dass sein Hedgefonds die Barrick Gold-Position im 3. Quartal mehr als verdoppelt habe. Aktuell hält Soros Fund Management 2,85 Mio. Aktien im Wert von 40 Mio. Euro. Seinen mit diesem Trade bislang eingefahrenen Buchverlust von 10 Mio. US$ kann Soros leicht verschmerzen, zumal er im März zeitweise einen Aktienbestand an Barrick Gold im Wert von mehr als 250 Mio. US$ besaß und die hohen Kurse zum Ausstieg nutzte. Soros kauft antizyklisch, langsam und behutsam wieder Aktien von Barrick und dies aus gutem Grund, wie wir gleich ausführen werden.

Der Terminkalender war für das Barrick-Management in diesem Jahr prall gefüllt. Das Unternehmen war so häufig auf Tour wie nie zuvor und stellte sein Unternehmen den Analysten und größten Fonds der Welt vor. In den letzten Monaten präsentierte man sich in New York, Denver und London und hatte immer exzellente Zahlen und Aussichten im Gepäck. Nur der Kurs legte trotzdem den Rückwärtsgang ein.

Charttechnisch besitzt Barrick den eindeutigen Vorteil

Schaut man auf die Kursentwicklung der großen Senior-Goldminenwerte, so steht Barrick als eindeutiger Gewinner fest. Die Barrick Gold-Aktie legte seit Jahresbeginn 94% zu. Der Vergleichsindex HUI Goldbugs Index hinkt dieser Entwicklung mit einem Zugewinn von 39% deutlich hinterher. Viele Anleger halten diesen Index für die bessere Investition mit weniger Risiko. Doch das Diversifikationsargument lässt sich in diesem Fall nicht halten. Seit dem Jahreshoch verlor Barrick zwar 39%, doch der HUI Index gab sogar 41% seines Wertes ab. Damit korrigierten beide etwa gleich stark.

Rein charttechnisch ergeben sich bei Barrick Gold im Bereich zwischen 13-14 € enorm starke Unterstützungen. Beim MACD-Indikator sowie beim RSI ist eine positive Divergenz festzustellen. Während der Kurs ein neues knappes Tief erreichte, steigen RSI sowie MACD an. Außerdem ist Barrick eine der ganz wenigen Goldminenwerte, die ihr 61,8%-Retracement (13,50 US$) noch nicht unterschritten hat. Diese Faktoren haben den Kurs bisher vor einem weiteren Rückgang bewahrt und technisch spricht alles für eine weiter anhaltende Outperformance. Aus Tradersicht ergibt sich zudem ein deutliches Rebound-Potenzial.

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Quelle: comdirect.de

Fundamentale Entwicklung eindeutig positiv

Trotz der Korrektur beim Goldpreis riss der positive Nachrichtenfluss nicht ab. In den letzten zwei Jahren trennt sich der weltgrößte Goldkonzern rigoros von Minen und Beteiligungen, die nicht zum Kerngeschäft gehören.

Zuletzt bot die chinesische Minjar Gold 1,3 Mrd. US$ für den 50%-Anteil an der Kalgoorlie-Mine in Australien, welche man zusammen mit Newmont betreibt. Das Angebot aus China liegt deutlich über dem geschätzten Wert von 600 Mio. bis 1 Mrd. US$ und dürfte einen netten Zusatzerlös einbringen, der zum konsequenten Schuldenabbau genutzt werden wird.

Gesund geschrumpft

Barrick ist der lebende Beweis dafür, dass man sich selbst im Rohstoffsektor mit einer rückläufigen Produktionsmenge gesund schrumpfen kann. Vor drei Jahren lag die Jahresproduktion von Barrick über 7 Mio. Unzen Gold. Dieses Jahr werden es noch 5,5 Mio. Unzen sein. Obwohl der operative Kapitalzufluss sich halbierte, drehte der für Aktionäre wesentlich wichtigere frei verfügbare Cashflow von negativen 1 Mrd. in den positiven Bereich. Die enormen Schulden waren früher das Kernproblem für die Aktie und lagen weit über 10 Mrd. US$. Dieses Jahr werden die Nettoschulden voraussichtlich um weitere bis zu 2 Mrd. US$ in Richtung 8 Mrd. US$ zurückgeführt, so dass der Gesamtschuldenabbau in den letzten Jahren >4 Mrd. US$ beträgt. Etwa die Hälfte des diesjährigen Kursanstiegs kann somit auf den Schuldenabbau zurückgeführt werden.

Tiefste Kosten im Sektorvergleich

Als Generalschlüssel für den Erfolg der Barrick-Aktie sind dennoch die tiefen Förderkosten anzuführen. Das Unternehmen besitzt im Branchenvergleich unter allen Seniorproduzenten die tiefsten All-In-Sustaining-Kosten (AISC). Diese lagen im 3. Quartal bei lediglich 704 US$ je geförderter Unze. Im gesamten Jahr wird man 70% der gesamten Produktion unter 650 US$ fördern. Damit ist Barrick Gold einer der ganz wenigen Senior-Produzenten, bei dem selbst ein Ausverkauf beim Goldpreis unter 1.000 US$ pro Unze nicht existenzgefährdend wäre.

Qualität der Reserven und Explorationspotenzial

Darüber können Analysten stundenlang streiten. Momentan sieht es bei Barrick so aus, dass man fünf Kernprojekte betreibt. Am bekanntesten ist die Mine in Nevada im Cortez Trend mit 1 Mio. Unzen Jahresproduktion und All-In-Sustaining Kosten von lediglich 603 US$ je geförderter Unze. Die bekannten Reserven liegen bei 11 Mio. Unzen, so dass Cortez noch viele Jahre günstig Gold fördern kann. Cortez steht spiegelbildlich für die meisten Abbauaktivitäten des Konzerns.

Fazit

Die tiefen Kurse von Barrick Gold zu Jahresbeginn waren nicht der Ausdruck qualitativ schlechten Minen, sondern ausschließlich auf das hohe Schuldenniveau zurückzuführen. Der kurzfristig gestiegene Goldpreis gestattete es Barrick, seinen Schuldenberg konsequent abzutragen.

Darum ist die relative Kursstärke von Barrick Gold gut begründbar und die Aktie gehört wieder auf die Watchlist, zumal der Goldpreis langsam einen Boden finden dürfte.

Wir laden Sie im neuen Jahr herzlich zum Live Chat von sharedeals.de ein. Montags von 19 bis 20 Uhr findet der wöchentliche Rohstoff- und Goldaktienchat mit Experte Günther Goldherz statt.

1 Kommentar

  1. obolon 22. Dezember 2016 15:57

    Auch hier wird wieder dem deutschen Nicht bzw Angstaktionär weisgemacht, das wenn die Aktie fällt wie Barrick Gold bei Herrn Soros, das ich dann automatisch Verluste habe. NEIN und nochmals NEIN. Verluste habe ich erst wenn ich VERKAUFE und diese REALISIERE. Ansonsten kann ich nämlich diese Schwächeperiode auch aussitzen und warten.
    Kein Wunder, das die Deutschen bei solchen Artikeln keine Aktien kaufen.

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