Lufthansa-Aktie im Würgegriff der Piloten – Ryanair macht Witze

von Redaktion  /   30. November 2016, 10:11  /   unter Aktien, Top-Stories  /   Keine Kommentare

Die Aktie der Deutsche Lufthansa AG (WKN: 823212) profitierte seit Oktober eigentlich von einer erneuten Ölpreisschwäche und dem Rohölpreisrückgang unter 50 US$ pro Barrel. Die Gunst der Stunde nutzen die Piloten, um das Management in den Würgegriff zu nehmen. Lufthansa geht in sein zweites Streikjahr.

Eine halbe Million Passagiere sind bisher vom Streik bei der Lufthansa betroffen, der bislang zu rund 5.000 Flugausfällen führte. Allein Dienstag und Mittwoch wurden fast 2.000 Flüge gestrichen. Die Pilotengewerkschaft Cockpit fordert mehr als 20% Gehaltssteigerung. Vielleicht sollten die Piloten lieber ein paar Aktien leerverkaufen? Denn bei der Lufthansa schlägt jeder Streiktag mit Millionenverlusten zu Buche und der Kurs fiel kurzzeitig von 13 € auf 12 €. Imageschaden und Buchungsausfälle sind kurzfristig unschön für den Kurs.

Erholung 2017 scheint noch ungefährdet

Prinzipiell leiden die Papiere seit Jahren von einem ruinösen Wettbewerb in der Luftfahrtbranche und sind von starkem Kostendruck betroffen. 2014 kostete die Kranichaktie noch 20 €, heute halten sich die Papiere zitternd bei 12-13 €. Aber sie standen Ende September kurzzeitig sogar unter 10 €. Die tendenzielle Erholung der Aktien scheint indes weiterzugehen. Investoren sehen in der direkten Konfrontation und dem Streik ein mögliches Anfang vom Ende dieses mehrjährigen Konfliktes.

Bei den operativen Zahlen gibt es jedenfalls eher gute Nachrichten. Die Lufthansa will dieses Jahr 1,8 Mrd. € verdienen. Was sind da schon ein paar hundert Millionen Euro mehr oder weniger? Die Erholung ist darum ebenfalls nicht substantiell gefährdet. Jedenfalls noch nicht. Es wäre jedoch wünschenswert, wenn die Streiks noch in diesem Jahr und vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft ein Ende finden.

Ryanair wirbt mit Nonstop-Streiks der Lufthansa

Da nutzt die Billigfliegerkonkurrenz, allen voran die irische Ryanair (WKN: A1401Z), die Schwäche von Lufthansa gekonnt aus und wirbt mit witzigen Aktionen aggressiv um mehr Passagiere. Das wirkt sich dort sehr positiv auf die Kurse aus. Kurs von Ryanair stieg seit Oktober von 11 € auf 14 € und das Momentum scheint noch weiter anuzuhalten.

Günstige Bewertung bei Lufthansa, mehr Wachstum bei Ryanair

Ryanair besitzt ein erwartetes 17er KGV von 13,2 und ein KUV von 2,5 und hat kaum nennenswerte Schulden, eine Marktkapitalisierung von satten 18 Mrd. € und seit Jahren steigende Umsätzen sowie starke Gewinnmargen.

Die Lufthansa leidet im Vergleich dazu unter mehr als 4 Mrd. € Nettoschulden, bei gerade mal 5,7 Mrd. € Marktkapitalisierung. Dafür liegt das KGV17e nur bei 5,5 und das KUV17e bei günstigen 0,3. Wobei die Umsätze seit Jahren stagnieren, bei zyklisch stark schwankenden Gewinnen.

Kursziel von bis zu 20 € für die Lufthansa

Langfristig wird Ryanair die Lufthansa bezüglich dem weiteren Wachstumspotenzial und beim Aktienkurs sehr sicher ausstechen.

Dafür hat die Lufthansa kurzfristig das Argument der wesentlich günstigeren Bewertung auf ihrer Seite. Bei einem möglichen Ziel-KGV von 8 könnte das Papier im nächsten Jahr bis auf 15 € steigen. Dies aber nur, wenn die Streikphase beendet wird. Kommt es zu einer langfristig tragfähigen Einigung, die seit 2013 überfällig ist, wäre die Lufthansa fundamental betrachtet wahrscheinlich nördlich der 20 Euro-Marke zu bewerten.

Kurspotenzial bei beiden Werten begrenzt

Obwohl das Kurspotenzial bei Ryanair langfristig größer ist, würden wir kurzfristig der Lufthansa den Vortritt lassen, halten das Potenzial jedoch mit circa 50% für sehr begrenzt. Dafür gibt es bei der deutschen Vorzeige-Airline immerhin noch eine – je nach operativem Gewinn stark schwankende – Dividende.

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